Choresm- eine fast vergessene Zivilisation

      Choresm- eine fast vergessene Zivilisation

      Choresm

      Choresm lautet noch heute der Name einer Landschaft in Zentralasien. In den Oasen der Wüstengebiete entstand eine gleichnamige Zivilisation, die als das alte, antike oder vergangene Choresm in die Geschichte eingegangen ist. Die Spuren des alten Choresm lassen sich von der Urzeit bis etwa 1300 n.Chr. zurückverfolgen. Über Jahrtausende hinweg entwickelte sich um den einst so mächtigen Amudarja–Fluss, dem legendären Oxus, eine Hochkultur, die sich in ihrer Blütezeit unter den Choresm-Shahs weit im zentralasiatischen Raum verbreitete.
      Die wenigen historischen Quellen zu der Entstehung und Entwicklung des vergangenen Choresm sind kaum zu fassen und sehr lückenhaft; die Geschichte birgt jedoch Geheimnis umwobene, geradezu mystische Züge, die in Zukunft sicher auch für unsere Zeit noch hochspannend zu werden versprechen.

      Es ist der modernen Archäologie zu verdanken, dass etwas von dem Erbe dieser uralten Kultur für die Nachwelt erschlossen werden konnte. Große Anerkennung verdient der mittlerweile verstorbene russische Archäologe S. P. Tolstov, der ab 1937 in langanhaltenden, überaus mühsamen Choresm- Expeditionen die Tore der Vergangenheit öffnete.

      Viele Gründe bewogen uns zwei mal zu einer archäologischen Forschungsreise von Europa nach Zentralasien. Wir haben faszinierende Photos von grandiosen Bauten aus Lehm mitgebracht, die in ihrer Erscheinung nicht weniger spektakulär als die ägyptischen Pyramiden, aber weitaus unbekannter und noch immer nicht vollständig entdeckt sind!
      In der Region an dem unteren Amudarjalauf konzentrieren sich viele Monumente der choresmischen Ära in den Ruinen uralter Festungen, gewaltiger Wüstenschlösser, sowie enormer Städte, die allesamt in der Landessprache gemeinhin als "Kala" bezeichnet werden.
      Diese Hauptregion des alten Choresm befindet sich im heutigen Karakalpakstan, einer autonomen Republik Usbekistans. Ausgangspunkte für unsere Wüstenexpeditionen waren die Wüstenstadt Kungrad und Nukus als Regionalhauptstadt Karakalpakstans.

      Im Verlauf unserer ersten Reise, im September/ Oktober 2007, hatten wir die Gelegenheit an einem Weltsymposium der Archäologie teilzunehmen. Das Symposium wurde in Gedenken an Tolstov in dem modernen Savatsky-Kunstmuseum der Stadt Nukus eröffnet. Zu unserer großen Freude konnten wir in diesem Rahmen gleich die Bekanntschaft mit Prof. Dr. Jagodin, Leiter der Akademie der Wissenschaften Karakalpakstans schließen. Prof. Dr. Jagodin ist vermutlich der letzte Archäologe aus der Schule Tolstovs, der noch direkt mit ihm zusammenarbeiten konnte und seither stets bemüht, das Werk seines Lehrers fortzusetzen. Diese Begegnung sollte für unsere eigene Forschungsarbeit noch hilfreich werden, denn wissenschaftliche Literatur und Photomaterial sind in diesem Bereich rar gesät.

      Maßgeblich am Gelingen der nicht zu unterschätzenden Wüstentouren beteiligt war der Karakalpake Oktjabr Dospanow. Als Archäologe kennt er alle Ausgrabungstätten, war an vielen Ausgrabungen selbst beteiligt und hat zudem etliche Dokumente und Kunstschätze gesehen, bevor die meisten in den Archiven verschiedener Museen nach ihrer Entdeckung wieder abtauchten.
      Die Erfahrungen, Kontakte und Ergebnisse unserer privaten Forschung aus der ersten Reise waren die Motivation für die nächste im September 2008 und erleichterten die weitere Vorgehensweise.

      Wir möchten einen Teil unserer Arbeit vorstellen und hoffen, dass wir etwas von der erlebten Faszination in Bildern und Worten wiedergeben können. Die archäologischen Entdeckungen lassen keinen Zweifel, dass das alte Choresm auf eine Zivilisation deutet, die vor Tausenden von Jahren bereits hochentwickelt war. Es ist uns ein Anliegen dazu beizutragen, die Welt einer vergangenen Zivilisation ein Stück weit wieder im Bewusstsein der Menschheit lebendig werden zu lassen.
      Bilder
      • Serge P.Tolstov R10.jpg

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