Auf dem Weg von West nach Ost

      Auf dem Weg von West nach Ost

      Mit einem Zwischenstop in Kaliningrad und einer unvorhergesehenen Landung in Perm startet unsere archäologische Reise in längst vergangene Zeiten in Tscheljabinsk.

      Moskau bei Nacht

      Wir fliegen bei Nacht über Moskau und es bietet sich uns ein Anblick, den ich so schnell nicht vergessen werde. Ich denke nicht an die Geschichte des Landes und auch nicht an Energiesparmaßnahmen, sondern an Moskau als eine Weltmetropole und Millionenstadt, als ich vom Flugzeug aus hinunterschaue: Die ganze Stadt leuchtet nicht in einem in der Schwärze der Nacht zu erwartenden großen Lichtermeer, sondern erscheint wie ein riesiges strahlenförmiges Netz, dass aus Lichtern geformt wurde. Die Strahlen laufen einem Mittelpunkt zu, der als ein beleuchtetes Dreieck das Zentrum Moskaus sichtbar werden lässt.

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      Perm
      Im Kontrast zu der klaren Sicht bei Nacht steht ein nebelverhangener Morgen über Tscheljabinsk. Es ist so nebelig, dass wir nicht landen können und den wesentlich über 500 km weiter gelegenen Flughafen in Perm ansteuern müssen. Die Prognosen sind sehr vage: Mal heißt es, dass es vielleicht in einigen Stunden zurückgeht, dann wieder, dass wir vielleicht vorübergehend in Hotelzimmer untergebracht werden müssen, denn der Nebel könnte noch den ganzen Tag andauern. Etwas unschlüssig verlassen wir nach einer Weile das stickige Flughafengebäude, um etwas frische Luft zu schnappen. Wir sind ein wenig müde, haben diese Verzögerung nicht erwartet, bleiben dennoch gelassen, aber nicht untätig. Mit einem Lächeln im Gesicht stellen wir uns vor, wie sich der Nebel über Tscheljabinsk allmählich zu lichten beginnt und das strahlende Blau des Himmels zum Vorschein bringt. Ob Zufall oder nicht, können wir uns eine halbe Stunde später wieder auf den "Rückflug" vorbereiten.

      Perm liegt über 1000 km weiter östlich von Moskau und während Moskau die größte Millionenstadt Europas ist, ist Perm die östlichste Millionenstadt Europas. Eine Stadt , die sehr bekannt ist für die Verarbeitung von Malachitsteinen, die aus dem Uralgebirge stammen. Zumindest reichte die Zeit unseres Aufenthaltes aus, dass Alexander sich eine wunderschöne tiefgrüne Pyramide aus Malachit in der Einkaufszone des Flughafens mitnehmen konnte.
      Kaliningrad
      Auf unserem Weg in das faszinierende südliche Uralgebiet soll Kaliningrad nicht unbeachtet bleiben. Bevor wir über Moskau geflogen sind und einen Abstecher nach Perm unternehmen mussten verlief unsere Reise, wie eingangs erwähnt, mit einem Zwischenstop in Kaliningrad. Hier hatten wir mehrere Stunden Aufenthalt in einer stark frequentierten Wartezone des Flughafens. Es war lebhaft, überall Warteschlangen und Stimmgewirr.

      Die Geschichte Kaliningrads ist sehr interessant in bezug auf unsere Reise von West nach Ost: Die Stadt war früher unter dem Namen Königsberg als Hauptstadt Ostpreußens bekannt. Heute ist Kaliningrad die Hauptstadt eines gleichnamigen russischen Verwaltungsbezirkes unter der Bezeichnung Oblast Kaliningrad, intern auch „Bernsteinland“ genannt. Oblast Kaliningrad ist die jüngste und westlichste Oblast der russischen Föderation. Als eine sogenannte Exklave ist das Gebiet räumlich von seinem Stammland getrennt.
      Tscheljabinsk
      An einem Morgen im August 2008 treffen wir in Tscheljabinsk ein. Die Stadt ist zugleich Verwaltungssitz der gleichnamigen Oblast Tscheljabinsk des südlichen Uralgebietes.

      Während Perm nah an der asiatischen Seite Russlands liegt, befindet sich die Stadt Tscheljabinsk weiter südlich des Uralgebirges nahe der europäischen. Die Grenze zwischen Ost und West wird von dem Uralgebirge und dem gleichnamigen Fluss Ural gezogen.

      Diese Grenze ist für unsere Reise sehr bedeutend. Es ist anzunehmen, dass Arkaim und die vielen archäologischen Ausgrabungsstätten südlich des Urals im „Land der Städte“ nicht zufällig in diesem Gebiet entdeckt wurden. Die Urale werden als die Grenze zwischen Europa und Asien angesehen. Europa uns Asien sind zwei getrennte Kontinente, jedoch Teile einer zusammenhängenden Landmasse, die Eurasien genannt wird. In der Topologie der Erde wird in diesem Bereich symbolisch das menschliche Gehirn dargestellt, sowie die Trennung von der rechten und linken Gehirnhälfte versinnbildlicht.

      Was in der Topologie der Erde symbolisch abgebildet ist, spiegelt sich somit nicht nur in der Geografie, sondern auch in den Köpfen der Menschen wieder, wie es die Geschichte der Menschheit vielfach bezeugt: Die Situation des kalten Krieges führt uns die Folgen einer Trennung von Ost und West auf vielen Ebenen deutlich vor Augen.
      Südural
      Der Südural ist landschaftlich geprägt von den Gebirgsmassiven des Uralgebirges, sowie von den teils bewaldeten Steppen der nordeurasischen Taiga. Das "Land der Städte" konzentriert sich weitläufig in dem Gebiet einer Wasserscheide der Flüsse Ural und Tobol. Über den Ural, der auf der europäischen Seite in dem Kaspischen Meer mündet und dem Tobol, der auf der asiatischen Seite über den Irtysch und Ob in den Arktischen Ozean fließt, treffen somit unterschiedliche geografische Zonen aufeinander.

      Der Südural, im Grenzgebiet zwischen Europa und Asien, war im Verlauf der Geschichte der Menschheit stets ein Wegkreuz für bedeutende historische Routen. So zeugen noch heute das Wappen und die Flagge des Kreises bzw. der Stadt Tscheljabinsk mit dem Abbild eines Kamels davon, dass auch hier die Karawanenstraßen der legendären Seidenstraße entlang führten, auf der ganze Kulturen, Religionen und Waren von Ost nach West und von West nach Ost gelangten.

      Wir finden im Südural, im Kreis von Tscheljabinsk uralte Städte, in denen sich vor Tausenden von Jahren Menschen ansiedelten, die von den vielen Zusammenhängen zwischen Ost und West gewusst haben mussten.
      Hatten alte Kulturen vielleicht ein größeres Bewusstsein über die Verbindungen des Menschen zu seiner Erde als wir heute? Die Erkenntnissse früherer Kulturen waren wesentlich tiefgreifender: In der Analyse ergeben sich überaus spannende und sehr mystische Bezüge, die uns ein verloren gegangenes kosmologisches Verständnis zurückbringen können!
      "Ost-West-Beziehungen"
      "Wir" sind sieben von vielen Mitgliedern eines privaten Forschungsinstitutes aus Norddeutschland, die vom Westen in den Osten unterwegs sind, um das mysteriöse Grenzgebiet von Ost und West zu erkunden.

      Ein Charakeristikum unseres Forschungsinstitutes ist eine Zusammensetzung aus deutschen und russischen Muttersprachlern- Menschen, die in Deutschland oder in Teilen der ehemaligen Sowjetunion geboren und aufgwachsen sind bzw. dort gelebt haben, bevor sie aussiedelten. In unserer Gruppe vereinigen sich seit Jahren westlich und östlich geprägte Vorstellungen und Denkweisen zu einer sehr fruchtbaren Zusammenarbeit.