Zentralasien-Usbekistan-Taschkent-Karakalpakstan-Nukus-Kungrad

      Zentralasien-Usbekistan-Taschkent-Karakalpakstan-Nukus-Kungrad

      Hannover/ Düsseldorf <-----> Moskau/ Sankt Petersburg <-----> Taschkent <------> Nukus <> Kungrad


      Tickets und Visa buchten und beantragten wir über ein russisches Reisebüro in Deutschland. Auf unserer ersten archäologischen Reise nach Zentralasien im Herbst 2007 flogen wir, eine private deutsch-russische Forschungssgruppe aus Norddeutschland, ab Hannover über Moskau nach Taschkent, der Hauptstadt von Usbekistan. Die zweite Reise im September 2008 verlief über Sankt Petersburg. Drei Flüge, zwei davon mit der russischen Aeroflot und weiter mit der Uzbekistan Airline, bereiteten uns auf den Wechsel von dem westlichen Teil der Erde in den östlichen vor. Für beide Reisen waren wir bis nach Nukus, Haupstadt der autonomen usbekischen Republik Karakalpakstan, jeweils 21- 24 Stunden unterwegs. In Nukus konnten wir die Uhren aufgrund der Zeitverschiebung um 4 Stunden vorstellen. Um bis nach Kungrad, einer kleinen Wüstenstadt in Karakalpakstan am Aralsee und zu bestimmten Wüstenzielen zu gelangen, hatten wir in etwa einen weiteren zweistündigen Weg über Land zurückzulegen.
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      Z e n t r a l a s i e n

      Zentralasien beschreibt allgemein eine Großregion im Zentrum Asiens, zu der Staaten und Regionen zählen, die keinen Zugang zum Ozean haben: Kasachstan, Usbekistan, Tadschikistan, Turkmenistan, Kirgisistan, die zu China gehörenden Provinzen Xinjiang und Tibet, Afghanistan, der Nordosten des Iran sowie die NWFP- und Punjab-Region in Pakistan und Indien. Unser Reiseland Usbekistan befindet sich im mittleren Zentralasien bzw. Mittelasien. Es ist zudem eines von zwei Binnenstaaten der Erde, die ihrerseits nur von Binnenstaaten umgeben sind und grenzt im Norden an Kasachstan, im Westen und Südwesten an Turkmenistan, im Süden an Afghanistan, im Südosten an Tadschikistan und im Nordosten an Kirgisistan.

      Mittelasien liegt nahe der innereurasischen Grenze zu Europa.

      U s b e k i s t a n

      Das "Land der Usbeken" hat in etwa die Größe von Schweden. Durch Usbekistan fließen die zwei mächtigsten Ströme Zentralasiens, hauptsächlich der Amudarja und zu einem geringen Teil der Syrdarja. Der größte Teil des Landes wird von Wüsten eingenommen! Es herrscht ein kontinentales Wüstenklima. In früheren Zeiten lebten in Usbekistan viele Nomadenstämme neben sesshaften Stämmen, die sich in den Oasen der Wüsten zu entwickeln begannen. Es gibt viele wunderschöne alte orientalische Städte in Usbekistan, die aussehen wie aus Tausend und einer Nacht und in Zusammenhang mit der Seidenstrasse sehr bekannt sind, wie Buchara, Samarkand und Chiwa. So wird das alte Usbekistan gerne als ein vom Sand umrahmter Diamant bezeichnet. Ein Land, das zudem für uns sehr interessante Vorfahren wie Ibn Sina oder Al Biruni zu verzeichnen hat. Usbekistan war zuletzt eine von fünf ehemaligen Sowjetrepubliken, die 1991 zu einem unabhängigen Staat erklärt wurden. Eine der Haupteinnahmequellen des Landes besteht in der Baumwollproduktion und Textilindustrie. Es gibt heute eine eigene Form der usbekischen Seide. Die Seide stammte ursprünglich aus China und wurde über Karawanenstraßen, die durch Usbekistan führten, nach Europa transportiert. Öffentliche Aufmerksamkeit erregte das Land durch eine der größten, jahrzehntelang hauptsächlich durch Monokulturen verursachten Umweltkatasrophen am Aralsee. Das Land und seine Leute leiden seither an vielen Krankheiten und z.T. großer Armut, an der Versalzung, Verlandung und Austrocknung der Flüsse und des Aralsees, an Wassermangel und hoher Pestizidbelastung.

      Usbekistan ist heute ein säkulärer islamischer Staat, der Islam gemäßigt. Seit der islamischen Eroberung des Landes ab etwa dem 7. Jh. n. Chr. setzte eine zunehmende Islamisierung der Bevölkerung ein. Der in Usbekistan praktizierte Islam weist jedoch Elemente auf, die nicht ursprünglich aus dieser Religion hervorgegangen sind, sondern auf eine bemerkenswerte, wesentlich früher in dieser Region der Erde praktizierten Religion zurückgehen, dem Zoroastrismus.
      Taschkent, 2,4 Mio. Einwohner, ist die Hauptstadt Usbekistans, eine bedeutende alte Handelsstadt der Seidenstraße und heute Sitz der geistlichen Verwaltung der Moslems von Mittelasien. In Taschkent sind die orientalischen und sowjetischen Einflüsse wohl am deutlichsten zu spüren, hier vermischen sich labyrinthartig angelegte altertümliche Gassen mit breit angelegten Straßen und Plätzen, sowie traditionelle Erscheinungsformen in jeglicher Hinsicht mit sehr modernen. Typisch für Taschkent ist der orientalisch geprägte, sehr alte Basar im Zentrum der Stadt. Während unserer mehrfachen längeren Aufenthalte zwischen den Flügen hatten wir viel Zeit, um u. a. den Basar, eine Moschee, sowie eine Medrese zu besuchen und die ungewohnten Klänge eines Muezzin von einer Minarett zu vernehmen. Ebenso waren wir zu Gast in einer Synagoge und ließen uns durch eine Mahalla, eine traditionelle usbekische Wohnsiedlungs-Einheit, führen.

      Zeit, die wir jedoch vor allem nutzten, um eine Freundin zu treffen. Sie heißt Galina und ist eine mehrfach prämierte Filmemacherin. Ihr neuestes Projekt ist ein Dokumentarfilm über den Zustand des Aralsees. Galina, die vor längerer Zeit einen Film über die zarathustrische Religion in Teilen Usbekistans gedreht hatte, nimmt großen Anteil an unserer Reise. Gemeinsam besprachen wir, die Ergebnisse unserer archäologischen Forschungsreisen in einem Film zu veröffentlichen.

      K a r a k a l p a k s t a n

      Karakalpakstan ist eine autonome Rebublik innerhalb der usbekischen Rebublik. Karakalpakstan besitzt ein eigenes Parlament, eine eigene Verfassung und eine eigene Flagge. Die Amtssprachen sind Karakalpakisch (eine Turksprache) und Usbekisch; der ältere Teil der Bevölkerung spricht, wie in ganz Usbekistan, zudem Russisch. Die Karakalpaken sehen im Unterschied zu den Usbeken mongolischer aus. Die Bevölkerung setzt sich aus Usbeken, Russen und Kasachen zusammen. Karakalpakstan ist von der Aralsee- Katastrophe am stärksten betroffen und eines der ärmsten Regionen der Erde mit einem extrem kontinentalen Klima. Im Winter können die Temperaturen zu einem Rekord von 45 Grad abfallen, im Sommer auf 5O Grad ansteigen. Karakalpakstan ist nicht streng islamisch. Die Region ist reich an Bodenschätzen, vor allem Marmor und Granit, deren Gewinne jedoch hauptsächlich Usbekistan zufallen. Die Republik liegt im Westen Usbekistans zwischen den Wüsten Kyzilkum und Karakum, im Mittelteil das Delta des Amudarjaflusses; zugehörig ist das Ustyurt-Plateau und ein Teil des Aralsees.

      Die Region ist für unsere archäologische Forschungsreise von zentraler Bedeutung. Durch Karakalpakstan, entlang des Amudarja, verlief eine Route der Seidenstrasse. Ein Gebiet, dass in früheren Zeiten das landschaftliche Bild eines der größten Oasenkulturen Zentralasiens prägte, Choresm genannt. Vor allem auf der rechten Seite des Amudarja, in der Kyzilkum-Wüste, zeugen zahlreiche faszinierende Wüstenmonumente aus Lehm, sogenannte "Kalas" (Kala heißt alte Stadt) von einer choresmischen Zivilisation, die maßgebend für die Ausübung und Verbreitung der zoroastrischen Religion war.
      Die Hauptstadt Karakalpakstans ist mit ca. 200.000 Einwohnern eine der größeren Städte Usbekistans. Die Stadt ist noch jung, wurde 1932 gegründet, daher sowjetisch geprägt und gemessen an usbekischen Verhältnissen relativ modern, die Menschen aufgeklärt. Sie liegt fast inmitten der autonomen Republik am Amudarja, zwischen der Kyzilkum-Wüste im Osten und der Karakum-Wüste im Westen. Nukus war der hauptsächliche Aufenthaltsort unserer Reisen in das ferne Zentralasien. Wir hatten beide Male eine private Unterkunft in einer sehr netten Familie bei Dawlet und Michael, die uns sehr behilflich waren bei den langwierigen polizeilichen Anmelde-Formalitäten und uns überaus köstlich bewirteten. Ihr Heim war für diese Zeit auch unser Heim.
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      Zusammen mit anderen Menschen, die wir kennenlernten, waren wir wie eine große Gemeinschaft. Es sind zudem Menschen, die ihr Land lieben und auf verschiedenen Wegen sehr bemüht sind, sich für das Wohlergehen der karakalpakischen Bevölkerung einzusetzen. So z.B. Natalja, die sehr engagiert eine regionale Organisation zur Behebung der sozialen Misstände in Karakalpakstan leitet und ihre beiden MitarbeiterInnen. Ihr Mann, der uns ein geeignetes Wüstenfahrzeug samt Fahrer vermitteln konnte, sowie Oktjabr, unser Freund und Wüstenführer mit seiner Familie. Oktjabr ist bemüht, einen sanften Öko-Tourismus aufzubauen, um Menschen aus der Region Arbeit zu verschaffen und Reisenden die Geschichte des alten Choresm näher zu bringen. Nukus besitzt ein bekanntes und sehr modernes Savatsky-Kunstmuseum, das 2003 eröffnet wurde und u.a. viele Funde aus Choresm-Expeditionen beherbergt. Viele Artefakte, die aus den Choresm-Expeditionen Tostovs während der sowjetischen Zeit des Landes stammen, sind in der Erimitage in Sankt Petersburg ausgestellt oder archiviert. Wir hatten während unser ersten Wüstenexpedition das Glück, an einem Symposium der Archäologie in Gedenken an Tolstov teilnehmen und den Leiter der Akademie der Wissenschaft Karakalpakstans, Prof. Dr. Jagodin, kennenlernen zu können. Wir trafen Dr. Jagodin, der trotz seines hohen Alters mit einer rührenden Begeisterung über seine eigenen großen archäologischen Expeditionen spricht, auch während der zweiten Reise. Mit Leib und Seele ist sein Leben der wissenschaftlichen Erforschung der Wüsten und des alten Choresm gewidmet.

      Von Nukus aus erforschten wir die Wüstengebiete östlich und westlich des Amudarja. In der Umgebung von Nukus, östlich des Amudarja ist ein bedeutendendes und sehr beeindruckendes Kerngebiet des alten Choresm zu finden.
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      Kungrad ist eine kleine, sehr alte Stadt im Aralsee-Wüstenbereich, ca.100 km südlich des Aralsees. Dem Amudarjalauf in Richtung Aralsee folgend, fuhren wir von Nukus aus ca. zwei Stunden über die holperigen Wüstenstraßen Karakalpakstans, um Kungrad zu erreichen. Der Amudarja, der wie der Syrdarja einst im Aralsee mündete und ihn speiste, versickert heute Kilometer vor seinem Ziel in der Wüste. Wasser wird hier zu dem kostbarsten Gut. Fuhren wir anfangs noch an vielen Baumwollfeldern der den Amudarja umgebenden Steppenlandschaft vorbei, so veränderte sich die Gegend mehr und mehr zu einer Wüstenlandschaft, wie man sie aus Filmen und Büchern kennt. Hin und wieder überholten wir Kamele, die gemächlich am Straßenrand entlang trotteten. Kungrad ist heute sehr arm und nur selten, in früheren Zeiten jedoch eine Hauptstadt und das Ziel vieler Reisender auf einer Route der alten Seidenstrasse gewesen- ein Ort der Begegnung zwischen den Kulturen des Ostens und des Westens. Ein buntes Treiben der farbenprächtig bekleideten Frauen vor Verkaufsständen mit exotischen Früchten, Gewürzen und dergleichen Waren bestimmt die orientalische Kulisse auf dem zentralen Basar. Alles andere ist schlicht, nicht prunkvoll und in die Farben der Wüste getaucht: Ockerfarbene Lehmbauten auf einem sandigen Boden vor einem strahlend, wolkenlos blauen Himmel. Die wahre Schönheit offenbarte sich uns im Erleben der Wüste, unerbittlich und dennoch so würdevoll und majestätisch. Die Stadt befindet sich in einem unmittelbaren Zentrum der drei Wüsten Ustyurt- Plateau, Kyzilkum und Karakum. Kungrad war das primär angestrebte Ziel während unserer ersten Reise nach Zentralasien; von dort aus starteten wir unsere Expedition auf das Ustyurt-Plateau.

      Kungrad, die Stadt der drei Wüsten, sowie das Kerngebiet des alten Choresm in der Umgebung von Nukus sind für uns topologisch und archäologisch hochinteressante Bereiche der Erde. Kungrad befindet sich genau auf einem Längengrad mit dem Uralgebirge, das zusammen mit dem Uralfluss als Grenzlinie zwischen Ost und West gilt. Wir finden östlich des Uralgebirges in den Steppen Russlands wie auch östlich des Amudarja in den Steppen und Wüsten Usbekistans viele uralte historische Stätten, die zu erforschen wir uns auf den Weg begaben. (siehe Forum "Arkaim")
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