Die Marienerscheinungen in Lourdes

      Die Marienerscheinungen in Lourdes

      Die Marienerscheinungen der Marie-Bernarde Soubirous in Lourdes

      Am 7. Januar 1844 wird Marie-Bernarde Soubirous geboren. Doch ruft man sie stets Bernadette. Die Familie ist sehr arm. Der Vater betreibt eine Mühle. Schwere Schicksalsschläge treffen die Familie, der Vater muss ins Gefängnis. 1855 fordert eine Choleraepidemie in Lourdes viele Todesopfer. Bernadette überlebt, aber leidet seitdem an chronischem Asthma. 1856 zerstört eine Trockenperiode die Ernte. Die Familie wird von der Mühle vertrieben. Alle, auch die Kinder müssen arbeiten, um irgendwie zu überleben. Bernadette geht nie zur Schule. Als eine Hungersnot über Lourdes und das ganze Departement herein bricht, lässt Kaiser Napoleon III. Mehl dorthin schicken. 1857, also im Alter von 13 Jahren wird Bernadette in einem benachbarten Dorf als Bauernmagd bei ihrer alten Amme in den Dienst gegeben. Somit hat die Familie einen Esser weniger. Erneut muss sie auf den Schulbesuch verzichten. Doch lässt sie sich das Verssprechen geben, sich wenigstens auf die heilige Kommunion vorbereiten zu dürfen.
      Ein Jahr später darf sie wieder nach Hause zurückkommen. Zwischen dem 11. Februar und dem 16. Juli 1858 hat Bernadette 18 Marienerscheinungen.
      Am 11. Februar 1858 geht sie mit ihrer Schwester zum Holzsammeln. Die Mädchen gehen den Mühlbach entlang, der an der natürlichen Grotte Massabielle in den Gave mündet. Im Inneren der Grotte sehen sie einen Haufen dünnes Holz.
      Die Mädchen ziehen sich die Schuhe aus und waten durch den Fluss. Bernadette nimmt ein Geräusch wie einen Windstoß wahr und sieht in der Grotte eine „weiß gekleidete Dame“.
      „……Sie trug ein weißes Gewand, einen weißen Schleier, einen blauen Gürtel und eine gelbe Rose auf jedem Fuß. Auch der Rosenkranz war gelb.“
      Als die Erscheinung verschwunden ist, fragt sie ihre Schwester, ob sie auch etwas gesehen hat? Dieses verneint. Drei Tage später gehen die Mädchen noch einmal zur Grotte. Bernadette erblickt wieder die „weiß gekleidete Dame“ in der Grotte. Sie lächelt wie beim ersten Mal. Bernadette fällt in tiefe Ekstase, sodass die Schwester die Mutter zu Hilfe holt. Bernadette wird nun verboten zur Grotte zurückzukehren.
      Am 18. Februar wird Bernadette von zwei Frauen zur Grotte begleitet, die herausbekommen wollen, wer dieses „weiß gekleidete Dame“ ist, und die Jungfrau Maria erscheint Bernadette zum dritten Mal und spricht mit ihr.
      Am 19. Februar sind schon acht Personen bei der vierten Erscheinung dabei. Am nächsten Tag sind es bereits dreißig. Am Sonntag, den 21. Februar bei der sechsten Erscheinung, wird Bernadette von hundert Neugierigen beobachtet. Bernadette wird von der Polizei verhört, weil diese um die öffentliche Ordnung fürchtet. Auch kann der Kommissar Bernadette nicht verbieten zur Grotte zu gehen. Sie ist sehr hartnäckig und hat der „weiß gekleideten Dame“ versprochen wieder zukommen. Am 23. Februar geht sie erneut zur Grotte Massabielle. Die Dame ist auch da, und außerdem 150 Schaulustige.
      Bei der achten Erscheinung beobachten 300 Menschen, wie Bernadette Bußübungen ausführt, sich auf Knien fortbewegt und die Erde küsst. Bernadette erzählt, dass die Dame ihr diese Übungen aufgetragen hat.
      Bei der neunten Erscheinung wiederholt Bernadette die Bußübungen und beginnt an der linken Seite der Grotte ein Loch zu graben, das sich mit schlammigem Wasser füllt. Sie versucht es zu trinken und wäscht sich damit. Sie berichtet, die Dame habe ihr aufgetragen: “Geht zur Quelle, trinkt und wascht Euch dort“. Der Skandal ist perfekt. Bernadette wird zum kaiserlichen Staatsanwalt bestellt. Bernadette lässt sich nicht einschüchtern und hält an ihrer Darstellung der Erscheinungen fest. Sie hat versprochen zur Grotte zurückzukehren. Am 27. und 28. Februar 1858 finden die zehnte und elfte Erscheinung statt. Aus dem Loch am Felsen Massabielle fließt nunmehr klares Wasser. Bei der zwölften Erscheinung am 1. März taucht Catherine Latapie ihre gelähmte Hand in das Wasser der Quelle und kann sie plötzlich wieder bewegen.
      Nach der 13. Erscheinung am 2. März überbringt Bernadette dem Pfarrer eine Nachricht der „weiß gekleideten Dame“: Man soll in Prozessionen hierher kommen und eine Kapelle errichten“. Doch der Abt glaubt nicht an diese Erscheinungen und nennt das Mädchen eine Lügnerin. Er verlangt, dass Bernadette die Dame nach ihrem Namen frage. Von 3000 Menschen wird Bernadette bei ihrer 14. Vision beobachtet, doch verrät die Jungfrau Maria Bernadette nicht, wer sie ist. Maria erneuert indes ihren Auftrag dafür zu sorgen, dass an dieser Stelle eine Kapelle gebaut wird. Als Bernadette dies dem Pfarrer berichtet, ist dieser verärgert und fordert: „Sie soll ihren Namen nennen und den Rosenstrauch an der Grotte erblühen lassen.“ Bei der nächsten Vision der Bernadette hoffen 8000 Menschen auf ein Wunder, das jedoch nicht eintritt. Bernadette führt alle von der Erscheinung verlangten Handlungen aus. Sie geht auf Knien zur Grotte, trinkt, wäscht sich und küsst den Boden für die Sünder. Die Dame enthüllt ihren Namen nicht.
      Bei der 16. Erscheinung in der Nacht des 25. März erhält Bernadette auf ihr beharrliches Fragen eine Antwort. Die „weiß gekleidetete Dame“ spricht: „Que soy era Immaculada Councepcoiu“ (Ich bin die Unbefleckte Empfängnis.) Bernadette überbringt die Antwort sofort dem Abt. Dieser ist erstaunt und erschüttert zugleich. Wie kann dieses ungebildete Kind das vor vier Jahren von Papst Pius IX. verkündete Dogma kennen? Natürlich informiert er den Bischof, und er erklärt Bernadette, was die Worte der Dame bedeuten.
      Am 7. April erscheint Bernadette die Jungfrau zum17. Mal. Zwei Menschen aus Lourdes werden durch die Berührung mit dem Wasser der Massabielle-Quelle geheilt. Am 18. Juli begegnet Bernadette der Jungfrau Maria zum achtzehnten und letzten Mal.

      Nun beginnt für Bernadette eine schwere Zeit. Sie wird vier Jahre lang von den kirchlichen Behörden befragt. Sie antwortet stets ruhig, selbstsicher und bescheiden auf die verschiedenen Fragen, ohne ihre Darstellung je zu ändern oder zu beschönigen.

      Inzwischen kommen täglich hunderte von Gläubigen zur Grotte. Es ereignen sich etliche Wunderheilungen und am 5. Juli 1859 spricht ein amtlicher Bericht zum ersten Mal von einer „Wallfahrt“. 1859 hält sich der Kaiser selbst einen ganzen Monat in Lourdes auf.
      Bernadette besucht inzwischen den Unterricht der Ordensschwestern. Doch gibt es so viele Neugierige, die Bernadette sehen wollen, deswegen setzt der Abt sich dafür ein, dass Bernadette in das Internat des Hospizes der Schwestern aufgenommen wird. Dort lernt sie endlich Lesen und Schreiben. 1861 schreibt sie ihren ersten Bericht über ihre Erscheinungen.

      1862 werden die Erscheinungen in einem Hirtenbrief anerkannt: „Wir vertreten den Standpunkt, dass die Unbefleckte Maria und Mutter Gottes am 11. Februar 1858 und an den darauf folgenden Tagen der Bernadette Soubirous wirklich achtzehn Mal in der Grotte Massabielle erschienen ist, dass diese Erscheinungen alle der Wahrheit entsprechen und dass die Gläubigen ihr Glauben schenken können. Wir erlauben in unserer Diözese die Verehrung Unserer Lieben Frau der Grotte zu Lourdes.“
      Der Hirtenbrief erkennt auch die ersten Wunderheilungen an. Um Massabielle beginnen die ersten Bauarbeiten.

      Bernadettes Gesundheit verschlechtert sich. Im März 1862 hat das junge Mädchen eine Lungenentzündung. Ihr geht es so schlecht, dass sie am 28. April die letzte Ölung erhält. Doch Bernadette erholt sich. Sie ist nun durch ihre Krankheit gezwungen sich häufig in den Bergen aufzuhalten. Sie geht zur Schule und lernt Krankenpflege und tritt 1864 in den Orden der Schwestern von Nervers ein. Sie erlebt den Bau der Kapelle, der Krypta, der heutigen Kirche. 1866 verlässt Bernadette Lourdes für immer. Sie hat sich entschieden ins Kloster einzutreten und wählt die Kongregation der „Soeurs de la Charite“ von Nevers. Das Ordensleben ist für Bernadette nicht so einfach. Sie oft krank, und sie wird häufig von der Oberin gedemütigt, was der empfindsamen Natur besonders weh tut. Bernadette stirbt am 16. April 1897. Ihr Leichnam ist noch heute im Kloster St. Gildard von Nevers aufgebahrt.

      1933 wird Bernadette von Papst Pius XI. heiliggesprochen. Bei den Untersuchungen für die Heiligsprechung wurde der Leib von Bernadette in unverwestem Zustand vorgefunden. Er ist heute noch so. Er wurde mit einer feinen Wachsschicht überzogen und ruht in einem Sarg aus Bronze und Kristall in der Klosterkirche von Nevers.