Kungrad, die Stadt der drei Wüsten

      Kungrad, die Stadt der drei Wüsten

      Kungrad ist eine ausgesprochene Wüstenstadt im Aralseebereich Usbekistans. Ein Bereich, in dem drei Wüsten aufeinander treffen: Die Kyzilkum-, die Karakum- und die Ustyurt-Plateau- Wüste. Kungrad liegt in der Nähe des Amudarja- Flusses, der zu einem großen Teil als Grenze der beiden Wüsten Kyzilkum und Karakum anzusehen ist. Die Kyzilkum befindet sich auf der rechten, die Karakum auf der linken Seite des Amudarja. Das Ustyurt- Plateau ist wie eine Stirn den beiden anderen Wüsten vorgelagert.
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      Dieses landschaftlich geprägte Bild der drei Wüsten ist in Bezug auf unsere Forschung sehr aufschlussreich. Die Erklärungen muten zum Teil sehr mystisch an, sind jedoch zum Verständnis unserer archäologischen Forschungsreise unumgänglich. Die Zusammenhänge sind sehr komplex, können jedoch im Ansatz folgendermaßen beschrieben werden:

      Auf unserer archäologischen Reise begaben wir uns auf die Suche nach Hinweisen auf eine zarathustrische Religion, die eine fast vergessene choresmische Zivilisation entlang des Amudarja hinterlassen hat; den Spuren der Seidenstrasse bis nach Kungrad folgend. Kungrad befindet sich auf einem Längengrad mit dem Uralgebirge und dem Uralfluss, die geographisch beide als Grenze zwischen Europa und Asien gelten, das heißt zwischen Ost und West. Nach der avestischen Tradition, „Avesta“ sind die heiligen überlieferten Schriften der Lehre Zarathustras, veranschaulicht diese Grenze in der Topologie der Erde symbolisch das menschliche Gehirn mit rechter und linker Gehirnhälfte. Vom Uralgebiet, als Grenze zwischen Ost und West, in dessen Umgebung ebenfalls archäologische Hinweise auf eine zarathustrische Religion gefunden wurden, kommen wir also über einen Meridian der Erde direkt in das Aralgebiet der drei Wüsten bis nach Kungrad.
      Zarathustra gilt als ein Begründer des Dualismus. Die Verbreitung seiner Lehre entlang der „Trennungslinie“ von Ost und West verweist nicht zufällig auf ein dualistisches Prinzip. Die Trennung von Ost und West, bzw. in einem übertragenden Sinn auf die linke und rechte Gehirnhälfte des Menschen impliziert, dass wir in einer Welt der Gegensatzbildung leben bzw. gefangen sind: In der Geografie steht Ost - West gegenüber, in der Philosophie Gut - Böse, in der Mathematik Plus - Minus, in der Physik Elektron - Proton usw. Eine Aufzählung, die unaufhörlich wie beliebig in allen Aspekten und Bereichen des Lebens fortgesetzt werden kann.

      Bei einer archäologischen Erforschung einer alten, längst vergangenen Zivilisation verknüpfen sich wissenschaftliche und philosophische Betrachtungsweisen zu sehr interessanten Fragestellungen: Welches Wissen liegt in alten Religionen verborgen? Welche geheimnisvolle Rolle spielt Kungrad? Was bedeutet das Bild der drei Wüsten? In welcher Beziehung steht der Mensch zur Erde?
      Viele Geheimnisse scheinen in Kungrad und den drei Wüsten Mittelasiens verborgen zu liegen und auf ihre Enthüllung zu warten. So geheimnisvoll die Atmosphäre dieser sagenumwobenen, orientalisch angehauchten Wüstengegend ist, so abenteuerlich war unsere Unterkunft in einem Arbeitslager des Kungrader Gefängnisses. In Kungrad gab es keine Unterkunft, die uns als siebenköpfige Gruppe hätte aufnehmen können. Zu vergangenen Zeiten der florierenden Seidenstraße wurde Kungrad oft von Reisenden aufgesucht, doch finden heute kaum Touristen ihren Weg dorthin- geschweige denn aus dem Westen. Nur über unsere Kontakte in Nukus wurde uns diese außergewöhnliche Bleibe in Aussicht gestellt.

      Das Arbeitslager befindet sich auf dem abgesperrten und bewachten Gelände einer ehemaligen Gärtnerei, die aufgrund von Wassermangel außer Betrieb genommen wurde. Die straf gefangenen Männer und Frauen, die tagtäglich zum Arbeiten in das Lager gebracht werden, betreiben mühsam eine selbst gebaute Ziegelbrennerei. Kann man sich vorstellen, dass wir das Haus des Gefängnisdirektors bewohnten, während er für ein paar Tage abwesend war? Eine straf gefangene Frau, die schon bald entlassen werden sollte, empfing und bewirtete uns.

      Wir wussten im ersten Moment vielleicht nicht, was uns erwartete und sahen mit Spannung den Geschehnissen entgegen, waren uns jedoch einig, dass diese Situation bildlich betrachtet, als ein Spiegel des menschlichen Bewusstseins und angesichts unseres Forschungsinteresses nicht symbolischer hätte sein können.
      Wer ein näheres Interesse für die Hintergründe entwickeln möchte, die uns zu dieser einzigartigen und wunderbaren archäologischen Forschungseise bewogen haben, dem seien zunächst folgende grundlegende Aspekte nochmals vor Augen geführt:

      Die Urale, als Fluss und Gebirge, stehen sinnbildlich für die Abbildung des menschlichen Gehirns mit der Aufspaltung in rechter und linker Gehirnhälfte als planetares Gehirn der Menschheit. Es entsteht ein Bild, dass die Dualität des Lebens veranschaulichen soll, durch die das menschliche Bewusstsein erdgebunden bleibt. Kungrad, als Ort in einem unmittelbaren Zentrum von drei Wüsten, steht durch einen Längengrad in einer direkten Verbindung mit dem Uralgebiet. Durch die Trennung der beiden Wüsten Kyzilkum und Karakum zur Rechten und zur Linken des Amudarja wird ebenfalls in einer abgewandelten Form eine Dualität ausgedrückt, die durch Kungrad und das vorgelagerte Ustyurt- Plateau aufgehoben werden kann. Nach unseren Erkenntnissen, gestützt durch das Studium alter und neuer philosophischer, wissenschaftlicher und archäologischer Schriften, veranschaulicht dieser Weg auf eine überaus symbolische Weise den Übergang von der Dualität in eine Trinität.
      Zur Vertiefung kennzeichnet die, wie oben erwähnte, durch das Uralgebirge verlaufende Grenze zwischen Ost und West sinnbildlich in der Topologie der Erde die Trennung zwischen der rechten und linken Gehirnhälfte des Menschen. Durch dieses Bild wird ausgedrückt, dass beide Seiten nicht im vollen Einklang miteinander arbeiten. Ein Umstand, der ebenso in der Bibel einen Ausdruck findet in dem Fall von Adam und Eva aus dem Paradies, stellvertretend für die weibliche und männliche Gehirnhälfte. Die drei Wüsten in Kungrad (Hervorzuheben ist, dass die Wüste in der Bibel als eine Metapher für die Seele/das Bewusstsein des Menschen verwendet wird.) symbolisieren einen Weg aus der Dualität des Lebens. In der Aufhebung der Trennung bzw. der Aktivierung der Bewusstseinskräfte des Menschen kann eine neue Kraft hervorgehen, die zur Bildung des sogenannten "dritten Gehirns" oder zu einer, besonders in den fernöstlichen Religionen prophezeiten Erweckung des "dritten Auges" führt.
      Darüber hinaus ist Kungrad ein Sektor der Erde, der mit den zwölf biblischen Stämmen Israels in Verbindung steht. Die zwölf Stämme repräsentieren, richtig verstanden, die zwölf Meridiane im Körper des Menschen und verweisen zugleich, sehr kurz gefasst, auf eine astrophysikalische Verbindung von Mensch, Erde und Zodiaken-Sternensystem.
      Interessanterweise existierten die zarathustische Religion und die christliche Religion für einige Zeit bis zur Islamisierung im 7. Jh. n. Chr. friedlich nebeneinander. Die zarathustrische Religion verbreitete sich einige Jahrhunderte vor Christus und war somit ein Vorläufer der christlichen Religion in diesem mittelasiatischen Raum. Es finden sich nicht nur bemerkenswerte Parallelen der beiden Religionen untereinander, sondern zudem Elemente der zarathustrischen, sowie der christlichen Religion, die sich in dem heute in diesem Bereich der Erde praktizierten Isalm wiederfinden. Es ist insgesamt eine sehr außergewöhnliche und einzigartige Situation, die sich an keinem anderen Ort der Welt als in Kungrad, dem Gebiet der drei Wüsten und des vergangenen Choresm in dieser Weise ereignete.