Choresm, der Amudarja und die drei Wüsten Karakum, Kysilkum, Ustjurt-Plateau

      Choresm, der Amudarja und die drei Wüsten Karakum, Kysilkum, Ustjurt-Plateau

      Choresm bezeichnet eine der ursprünglich größten Oasen in den Wüstengebieten Zentralasiens, aus Flüssen geformt, die aus der Schneeschmelze der Berge entstanden sind. Einer der größten Flüsse ist der Amudarja, der legendäre Oxus, der im Mittelalter auch als Jeihun bekannt war. Der Amudarja galt als das Lebensblut der vergangenen choresmischen Zivilisation, deren Wurzeln von der Steinzeit bis in das Mittelalter zurück verfolgt werden können. Zur Linken und zur Rechten des Amudarja liegen die Wüsten Karakum und Kysilkum . „Kara“ bedeutet schwarz und bezeichnet die schwarze Wüste, „Kysil“ rot bzw. die rote Wüste. Im Norden befindet sich das Ustjurt-Plateau mit seiner charakteristischen gelben Wüstensandfarbe.

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      Im zentralasiatischen Raum dehnt sich die Karakum-Wüste über 300.000 km² südlich des Aralsees und westlich des Amudarja aus. Die Kysilkum-Wüste befindet sich in etwa der gleichen Ausdehnung zwischen dem Amudarja und seinem Zwillingsflusss, dem Syrdarja. Zwischen dem Kaspischen Meer und dem Aralsee dehnt sich die 200.000 km² große Ustjurt-Plateau- Ebene aus. Die Wüsten enthalten wertvolle Bodenschätze, wie Erdöl, Erdgas, Mangan, Chrom, Silber,...., wobei vor allem die Kysilkum-Wüste sich als wahre Goldgrube entpuppte.

      In der Kysilkum-Wüste, am rechtsseitigen Ufer des Amudarja, befinden sich zudem die meisten Ruinen der vergangenen choresmischen Zivilisation.
      Wir reisten als archäologische Forschungsgruppe aus Norddeutschland zweimal nach Usbekistan, um das Gebiet der vergangenen choresmischen Zvilisation in einem unmittelbaren Zentrum der drei Wüsten näher zu erkunden. Ausgangspunkte für unsere Wüstenexpeditionen waren die Wüstenstadt Kungrad und Nukus, die Hauptstadt der autonomen usbekischen Teilrepublik Karakalpakstan, südlich des Aralsees.

      Die gesamte Fläche Usbekistans wird zu einem größten Teil von Wüsten eingenommen, überwiegend von der roten Kysilkumwüste, die zu bestimmten Tageszeiten tatsächlich rötlich schimmert. Die Karakum und die Kysilkum sind keine reinen Sandwüsten, sondern an vielen Stellen mit charakteristischen Wüstenpflanzen bewachsen. Wir waren aufgrund der klimatischen Bedingungen in den Herbstmonaten September und Oktober unterwegs, denn in Karakalpakstan können die Temperaturen im Sommer bis zu 50 Grad extrem ansteigen und im Winter bis zu minus 45 Grad abfallen! Die schönste Zeit in Karakalpakstan ist laut Oktjabr, unserem archäologischen Reisebegleiter, jedoch das Frühjahr, wenn die Wüste zum Leben erwacht und die Wüstenpflanzen, wie beispielsweise die Sandakazien oder Tamarisken neben grünen Gräsern und Sträuchern in den schönsten Farben zu blühen beginnen.
      Doch benötigen die Wüstenpflanzen nicht viel Wasser zum Leben und es herrscht überwiegend Wassermangel. In Nukus und besonders in Kungrad erlebten wir, dass das Wasser zeitweise über Stunden abgestellt wurde. Von der einst so üppigen Oase ist nicht viel übrig geblieben und das Land verwüstete zunehmend. Die choresmische Zivilisation zeichnete sich u.a. durch ein bemerkenswert ausgeklügeltes Kanalsystem aus. Vom Amudarja wurden Gräben abgezogen, die sich weit in das bewohnte Land hinein verzweigten. Noch zu den Sowjetzeiten Usbekistans diente das Kanalsystem als eine Grundlage für den Ausbau eines großflächig angelegten Bewässerungssystems zum Anbau von Baumwolle. Tragischerweise wurde über Jahrzehnte eine Monokultur betrieben, die in einem Desaster, der sogenannten, seit 1991 offiziellen Aralsee-Uweltkatastrophe endete. Von den katastrophalen Folgen für die heute dort lebenden Menschen ganz zu schweigen, wurde das Land von Pestiziden verseucht, es versalzte und vertrocknete. Der Amudarja, der bereits am Ende der choresmischen Hochkultur Wasser einzubüßen hatte, ist heute, seit dieser gravierenden Fehlwirtschaft, nur noch ein Schatten seiner ehemaligen Pracht. Seither kann er nicht mehr wie zu früheren Zeiten in den Aralsee münden, um ihn zu speisen.
      Der Amudarja bleibt jedoch die Hauptnahrungsquelle der drei Wüsten. Als wir in Karakalpakstan unterwegs waren, konnten wir, trotz der weitreichenden Folgen der Katastrophe, seine ursprüngliche atemberaubende Schönheit erahnen und seine nach wie vor lebensspendende Kraft verspüren.

      Es wurden zur Erhaltung des Aralsees verschiedene weltweite ökologische Hilfsprojekte gestartet und so versuchten auch wir während und nach unserer Reise auf verschiedenen Ebenen in unserer eigenen Weise zu helfen. So berichten wir von unseren archäologischen Reisen nicht nur aufgrund der überaus vielversprechenden archäologischen Themenbereiche, sondern auch, um das Bewusstsein der Öffentlichkeit für die Problematiken einer für diese Erde hochinteressanten Wüstenregion zu sensibilisieren.
      Das vergangene choresmische Reich dehnte sich in seiner Blütezeit weit über die Grenzen Usbekistans aus und nahm große Flächen des heutigen Kasachstan und Turkmenistan ein. Der überwiegende Teil der vergangenen choresmischen Bevölkerung siedelte sich über Jahrtausende hinweg in der Kysilkum-Wüste an. In Karakalpakstan befindet sich ein Kernstück des alten Choresm mit vielen bedeutenden historischen Stätten. Wir besuchten und erforschten uralte, monumentale choresmische Städte aus Lehm, die in der Landessprache als "Kalas" bezeichnet werden. Ein Kala umfasste zumeist einen gewaltigen Komplex, bestehend aus einer enormen, runden, ovalen oder rechteckig besfestigten Mauerstruktur, innerhalb der u.a. eine alte Festung oder ein Wüstenschloss, eine Tempelanlage und ein Siedlungsbereich integriert waren.
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