Qumran

      Qumran ist bekannt durch die Schriftrollen vom Toten Meer, die dort 1947 gefunden wurden. Andere historische Quellen deuten darauf hin, das schon früher Funde gegeben hat. So schreibt Origenes (185-254) das eine Schriftrolle in einer Höhle bei Jericho gefunden wurde. Die Aussage, "bei Jericho" lässt die Vermutung zu, das es sich um Schriftrollen aus Qumran handeln kann. Dies geschah zu der Regierungszeit von Antioninus, dem Sohn des Severus. Marcus Aurelius Antonius regierte von 218-222 n. Chr.
      Origenes war Kirchenschriftsteller, der hebräische und griechische Schriften übersetzte.
      Auch einem Brief aus dem neunten Jahrhundert n. Chr. des Bischofs Timotheus I. an den Metropolitan von Elam ist zu entnehmen, das es zu der Zeit Entdeckungen von Schriftrollen in Höhlen bei Jericho gegeben hat. Die Geschichten um ihr Auffinden sind ähnlich spektakulär wie die aus dem Jahre 1947. Gefunden wurden Schriften zum alten Testament in hebräischer Sprache. Übermittler dieser Nachrichten waren zum christlichen Glauben konvertierte Juden. Auch dieser Brief stützt die Vermutung, das mit " bei Jericho ", Qumran gemeint war.
      In Oumran hat man unter den Schriftrollen das Testament des Levi gefunden. Da es auch Fragmente des Testamentes des Naftali, Juda und Josef gibt, gehen die Forscher davon aus, das es eine Sammlung der zwölf Patriarchen gegeben hat, die die Testamente der zwölf Stämme Israels beinhalteten. Sie gehörten zu den apokryphen Schriften des Alten Testamentes, die lange im Kanon der östlichen Kirchen und Äthiopien gebräuchlich waren.
      In der Höhle 7 der 11 Bibliothekshöhlen von Qumran hat hat man zwei Fragmente gefunden, um deren Zuordnung zu den heiligen Schriften sich die Forscher Uneins sind. Einige ordnen sie dem Alten Testament zu, Andere setzen sie in Beziehung zum Neuen Testament. Es handelt sich um die Fragmente 7Q4 und 7Q5. 7Q4 kann mit dem 1. Timothius-Brief in Verbindung gebracht werden, 7Q5 mit dem Markus-Evangelium. Sollten die Befürworter für das Neue Testament Recht haben, sind die Schriften vor 70 n. Chr. geschrieben worden, denn Qumran wurde 68 n. Chr. von den Römern zerstört. Bislang ging man davon aus, das das Neue Testament erst 70 n. Chr. aufgeschrieben wurde.
      Bei der Zuordnung der Fragmente 7Q4 und 7Q5 zum Neuen Testament, geht es letztendlich um die Messias-Frage. War Jesus Christus der Erlöser, oder nicht ? Die Diskussion wurde eng an den überlieferten Schriften geführt. Zum Beleg mag das Kapitel 17 der Apostelgeschichte dienen. Besonders der Vers 11 beschreibt die aufgezeigte Vorgehensweise.
      Die Essener, Teil des damaligen Judentum, ausgestattet mit einer umfangreichen Bibliothek und Tradition der Beschäftigung mit den heiligen Schriften, haben Kommentare zu den Büchern des Alten Testamentes verfasst. Ihre ganze Gemeinschaft war auf die Erwartung des Messias ausgerichtet. Da ist der Gedanke nicht mehr fern, das sie sich diesem Thema auch schriftlich gewidmet haben. Fordert die Auslegung des Alten Testamentes im Zusammenhang mit dem Tod Jesu Christi nicht nach neuen Schriften ? Die Essener waren neben den Pharisäern und Sadduzäern Teil des Judentums, das auf diese Frage eine Antwort geben musste.