Arkaim

      Arkaim ist eine etwa 4000 Jahre alte prähistorische Anlage, die 1987 im russischen Tscheljabinsk, im südlichen Uralgebiet, von G.B. Sdanovitsch inmitten der eurasischen Steppe entdeckt wurde. Im Zusammenhang mit großflächig angelegten Ausgrabungen wurden im Südural viele weitere archäologische Objekte aus der Bronzezeit gefunden. Ein ca. 40 Quadratmeter umfassender ökologischer Natur- und Kulturpark wurde aufgrund der immensen wissenschaftlichen Bedeutung des Fundes nach Arkaim benannt. Innerhalb der Grenzen des Naturparks wurden mit Arkaim insgesamt 14 archäologische Ansiedlungen mit Hinweisen auf eine überaus hochzivilisierte Zivilisation entdeckt und von Archäologen als das „Land der Städte“ bezeichnet.

      Geografische Lage

      Tscheljabinsk ist ein riesiger Verwaltungsbezirk mit gleichnamiger Verwaltungsauptstadt im Südural. Von der europäischen Seite kommend, hatten wir während unserer archäologischen Forschungsreise mit dem Uralgebirge als Grenzlinie zwischen Europa und Asien nun die asiatische Seite Russlands erreicht. Arkaim sowie das Land der Städte befindet sich in einem Steppengebiet der russischen Taiga, das umgeben ist von einer sanften und bewaldeten Hügellandschaft; eingebettet in ein Zweistromgebiet zwischen den Wasserläufen des Urals im Westen und des Tobols im Osten. Die Anlage Arkaim liegt an den Osthängen des Urals im Kap eines Flusstals zwischen den beiden Flüssen Bolshaja Karaganka und Utjaganka. Zudem liegt Arkaim in der Zone eines tiefen Bruches in der Erdkruste und einer Zone seismischer Aktivität. Die seit ihrer Entdeckung sorgfältig erforschte Anlage Arkaim wird aufgrund der Kohlenstoffanalyse auf ein Alter von ca. 3600-3900 Jahre geschätzt.

      Die kreisförmige Anlage Arkaim

      Die meisten der entdeckten Siedlungen bzw. Städte wurden einer einheitlichen Kultur aus der Bronzezeit zugeordnet. Die nachgewiesene kulturelle Entwicklung Arkaims zeigte jedoch Besonderheiten, deren Fortgang weder im Westen noch im Osten gefunden werden konnte und auf eine unbekannte Zivilisation hindeutet, die in ihrer Entwicklung einen eigeständigen Weg zu gehen schien.

      Die bemerkenswerte Anlage hat seit ihrer Entdeckung einen regelrechten Kultstatus erreicht, denn sie diente seinen damaligen Bewohnern nicht nur als eine Wohn-, Lebens- und Arbeitsstätte, sondern zudem als ein Observatorium und heiliger Tempel. Die Anlage weist eine hoch präzise architektonische Struktur auf, die überaus funktionell und sorgfältig konzipiert worden ist. Sie bestand, an dieser Stelle nur in den Grundzügen erwähnt, aus befestigten Mauernstrukturen in Form zweier ineinander liegender konzentrischer Kreise. Innerhalb der Kreise waren 72 Wohnbauten ringförmig angelegt. In der Mitte befand sich eine abgerundete quadratische Fläche, die für astronomische Beobachtungen und rituelle Zeremonien genutzt wurde.

      Zwei Kreise, die als symbolische Darstellung von Himmelskreis und Erdenkreis dienen und zudem als Verkörperung des Götterpaares Geb und Nut mit der ägyptischen Mythologie in Verbindung gebracht werden.

      Standort dr Anlage Arkaim

      Der Standort der Anlage -in unmittelbarer Nähe zum Uralgebirge- scheint von seinen damaligen Erbauern nicht zufällig gewählt worden zu sein. Das Uralgebirge kennzeichnet die Grenze zwischen Europa und Asien in einer Region, die auch Eurasien genannt wird; geprägt von einer außerordentlichen Steppenlandschaft. In der Mitte der eurasischen Steppen werden die Wurzeln der indoiranischen Urvölker vermutet. Hinweise dafür sind in uralten überlieferten heiligen Schriften wie „Rigveda“ oder „Avesta“ zu finden. Nach den Avesta beschreibt der Ural ein Gebiet, dass die Erde in zwei Gehirnhälften aufteilt.

      Die Wortbedeutung des Namens Arkaim kann aus dem Turkischen abgeleitet „Bogen“ oder „Rückgrat“ bedeuten. Nach einer ursprünglichen indoiranischen Ableitung des Namens bedeutet das Wortteil „Arka“ das Wesentliche des Wassers und des Feuers, „Ima“ bezeichnet den antiken Namen eines avestischen Herrschers.

      Arkaim, kosmologische Architektur

      Heute kennzeichnet ein großer Stein die Mitte der prähistorischen Anlage. Ein riesiges Bodenrelief zeichnet die ursprüngliche Position der beiden ineinander liegenden ringförmigen Grundmauern deutlich ab. Die Durchmesser der beiden abgebildeten konzentrischen Kreise betragen gemäß der offiziellen Angaben 85 bzw. 143 – 145 m. Nach innen waren an beiden Ringmauern die bereits erwähnten 72 Wohnräume angebaut; zwischen den Kreisen verlief eine Ringstrasse. Der ursprünglich abgerundete quadratische Platz in der Mitte umfasste eine Fläche von 25 x 27 m. Die Dächer des inneren Kreises bildeten ein riesiges Amphitheater. Die Anlage besaß vier, jeweils nach Norden, Süden, Osten und Westen ausgerichtete Haupttore.

      Die Astroarchäologie kommt, wie noch gesondert aufgezeigt werden soll, teilweise zu anderen, über die konventionellen Messungen hinausgehenden Messergebnissen; beispielsweise werden hier -gemäß exakter Vermessung der beiden konzentrischen Kreise- zwei geometrische Mittelpunkte ermittelt, die zu erstaunlichen Zahlenspielen und einer tiefgreifenden, mystischen Zahlensymbolik führen.

      Phänomenal ist, dass Arkaim mit einer unerklärlichen Präzision nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet wurde und die Erbauer das Beziehungsgeflecht zwischen Mensch - Erde - Universum aufrgund einer unfassbaren kosmologischen Architektur in eine Form zu gießen wußten.
      Unter der archäologischen Leitung von G.B. Sdanovich wurden 8O55 m² der Fläche geöffnet, darunter 28 Wohnbauten und einzelne Abschnitte der Verteidigungsmauer. Nur ein kleiner Teil der Ausgrabungen wurde zur Anschauung offen gelassen; der überwiegende Teil zum Erhaltungsschutz der sensiblen Anlage wieder zugegraben. Die Anlage enthält komplizierte architektonische Strukturen aus Erde und Holz. Ein Teil einer Behausung wurde rekonstruiert. Arkaim ist von zehn kleinen Bergen, sowie vielen weiteren Orientierungspunkten umgeben, die beim Bau der Anlage zur exakten Ausrichtung nach den vier Himmelsrichtungen dienten- in Abstimmung mit der Linie des sichtbaren Horizontes.

      Die Wohnbauten waren innerhalb der konzentrischen Kreise trapezförmig angeordnet, mit einer Grundfläche von 110 bis 118 Quadratmetern. Die Häuser wurden aneinandergebaut, teilten eine Längswand miteinander und bestanden jeweils aus drei Teilen. Von den vier nach den Himmelsrichtungen ausgerichteten Haupttoren war nur das Westtor breit (4-5 Meter) und führte auf die Ringstrasse und in das Innere. Die anderen Tore führten in enge und lange Labyrinthe innerhalb der Radialmauern. Der zweite Bezik der Wohnbauten des äußeren Ringes wurde in vier Sektoren aufgeteilt. Die ringförmigen Grundmauern waren bis zu 5,5 m dick. Der Komplex selbst war gigantisch, 4 Meter hohe Wände als untere Lehmteile mit z.T. aufgesetzten großen Türmen.