Besichtigung der Anlage Arkaim- Eindrücke und Erfahrungen

      Besichtigung der Anlage Arkaim- Eindrücke und Erfahrungen

      Wir bezogen während unserer archäologischen Reise durch vorab geknüpfte Kontakte eine Unterkunft in einem Haus, dass in Verbindung mit einem relativ neuen Museum in der Nähe der Anlage stand. Bei den polizeilichen Anmeldeformalitäten stellten wir fest, dass wir uns zwar in einem Gebiet von Arkaim aufhielten, ein Ort als solcher jedoch nicht als eine ordentlich registrierte Ortschaft existierte. Über viele Umwege und durch den persönlichen Einsatz eines unserer russisch sprechenden Mitreisenden erhielten wir die ersehnten, in diesem Land unerlässlichen Papiere, Stempel und Unterschriften, die unseren Aufenthalt genehmigten.

      Es war trotzdem eine große Freude, eine Unterkunft so nah an der historischen Anlage bekommen zu haben, denn so konnten wir sie bequem zu Fuß erreichen. Außer unsere Bleibe und dem Museum waren kaum andere Häuser zu sehen. Eingerahmt in eine sanfte Hügellandschaft, wanderten wir bei angenehmen sommerlichen Temperaturen auf einer kleinen Strasse und kleinen Wegen an Wiesen und Feldern entlang. Ein sehr großes Areal steht seit der Entdeckung Arkaims unter Naturschutz und wird als Natur- und Kukturpark in bestehende Museumsprojekte eingebunden. In der Ferne erblickten wir beispielsweise auf eine rekonstruierte Jurte, die das Leben der ursprünglichen Steppenbewohner veranschaulichen soll. Wir überquerten einen Bach, sahen auf Zelte und auf einen Campingplatz. Es herrschte Aufbruchsstimmung, denn die Ferienzeit in Russland neigte sich dem Ende zu.

      Nachdem wir anfangs noch einen mit Menschen und Ständen belebten Raum passierten, sahen wir wenig später zu dem heiligen Berg Schamanka hinauf, wohin viele Menschen tagtäglich kommen, um eine angelegte, große Steinkreisspirale zu begehen. Wir waren eingetaucht in eine geistige Welt. Nicht nur der Geist längst vergangener Zeiten schien hier präsent zu sein, sondern die energetische Kraft der vielen Menschen, die eine geistige Verbindung suchten. Ihrer Erscheinung nach nicht begrenzt auf eine bestimmte, esoterische Gruppe, sondern in einer bunten Vielfalt von Menschen aus den unterschiedlichsten Altersklassen und sozialen Gruppen.

      Eine Besichtigung der weiter entlegenen Anlage findet in der Regel in Zusammenhang mit einer größeren Führung statt. Wir suchten selbständig einen Zugang zu dem unter Denkmalschutz stehenden, eigentlichen Zentrum Arkaims. Je näher wir an den Kern der Ausgrabungsstätte heran kamen desto ruhiger wurde es um uns, bis wir schließlich ganz von einer beruhigenden Stille der Steppe umgeben waren. Wir bestiegen einen Pfad über einen Wasserlauf hinweg zu einem Birkenwäldchen hinauf, liefen an dem „Berg der Liebe“ und an einer großen, mit Tausendblatt bewachsenen Steppenwiese vorbei. Wir wanderten noch eine Weile und hofften, in der Ermangelung an Hinweisschildern weder die Richtung zu verfehlen noch von kontrollierenden Wächtern erspäht zu werden. Im Zentrum Arkaims angekommen, waren wir die meiste Zeit unter uns. Nur hin und wieder begegneten wir vereinzelt Menschen, die u.a. hierher kamen, um an einem solch erlesenen Platz zu meditieren!

      Eine Schautafel zeigte den radial-konzentrischen Grundriss der Anlage:
      Zwei konzentrische Kreise mit zwei Kreisen von insgesamt 72 Wohnbauten; zwischen den Kreisen verlief eine kreisförmige Strasse; in der Mitte befand sich eine zentrale Fläche, an den Seiten 4Richtungen ausgerichtete Haupttore. Die 72 Wohnbauten waren trapezförmig durch Radialmauern miteinander verbunden, so dass aus der Vogelperspektive betrachtet insgesamt der Eindruck eines doppelten, gigantischen Rades mit Speichen entsteht.
      Von fern hatten wir bereits ein hochgestelltes Holzgerüst erblickt, dass sich nun als Teil einer nachgebildeten Rekonstruktion einer Behausung erwies und ein guter Platz zum Ausruhen und Vertiefen war, von dem aus man sich einen guten Überblick über das gesamte Gelände verschaffen konnte. Arkaim ist von vielen kleinen Bergen und Oientierungspunkten umgeben, die beim Bau der Anlage zur Ausrichtung nach den vier Himmelsrichtungen dienten. Ein paar von uns schauten auf die Hügel rund um Arkaim und versuchten, trotz der enormen landschaftlichen Veränderung seit der Entstehung der Anlage einige der Orientierungspunkte auszumachen. Andere versuchten, das sich deutlich vom Steppengrund abhebende Bodenrelief nachzugehen, was sich aufgrund der enormen Größe der Anlage jedoch als zu schwierig erwies.

      Beim Betreten der Ausgrabungsstätte hatten wir bereits einen großen Stein entdeckt, der gesetzt wurde, um die Mitte der Anlage zu kennzeichnen. Der innere Kreis der Anlage wurde für astronomische Beobachtungen genutzt. Hier standen wir nun also in der Mitte des astronomischen Observatoriums von Arkaim, wie bereits Menschen, der Wahrscheinlichkeit nach Priester seit Jahrtausenden zuvor, um nach konkreten, zukunftsweisenden Antworten zu suchen. Für uns ein lang ersehnter, erwürdiger Moment! Im Vordergrund stand nicht nur, was von dem uralten Observatorium tatsächlich noch an der Oberfläche sichtbar war, sondern das geistige Erleben vergangener Zeiten in der Auseinandersetzung mit einer für die Menscheit nach wie vor hoch aktuellen Thematik.
      In der Steppe kann die Dämmerung überraschend schnell hereinbrechen, so dass wir uns sputeten, um den langen Weg nicht im Dunkeln zurückgehen zu müssen. Am Ende unseres zweiten Besuches kam es soweit, dass wir uns plötzlich in absoluter Dunkelheit befanden; nur das Licht der Sterne begleitete uns. Hin und wieder blieben wir angesichts des sternenübersäten Nachthimmels überwältigt stehen. In der dünn besiedelten, weitläufigen Steppenlandschaft sind die Nächte atemberaubend sternenklar.

      An einer historisch so bedeutsamen, einzigartigen Sternenwarte in die Sterne hinauf zu sehen, hat etwas sehr Besonderes: Vor einer solchen gewaltigen Kulisse dringt einem als kleiner Mensch wie an kaum einem anderen Ort der Erde die Endlichkeit des irdischen Lebens und gleichzeitig die Unendlichkeit des Universums so unmittelbar ins Bewusstsein.