Gespräch mit Michael Freikman, archäologischer Leiter der Kreisanlage Gilgal Refaim (Rujim el Hiri) in Israel

      Gespräch mit Michael Freikman, archäologischer Leiter der Kreisanlage Gilgal Refaim (Rujim el Hiri) in Israel

      Das gewaltige dieser Stätte passt natürlich gut zu den Geschichten über vorgeschichtliche Riesen (Das Monument besteht aus einer Vielzahl von Steinen aus dem gesamten Golangebiet. Einige von ihnen sind gewaltig und tonnenschwer, insgesamt an die 42.000 Tonnen.)

      Die Bibel berichtet von Riesenstämmen und die Bezugnahme zur Bibel liegt in diesem Gebiet auf der Hand. In der Mitte der Anlage befindet sich ein kleiner Raum und Archäologen gaben sich vergebens die Mühe, Riesenknochen zu finden.

      Mindspectra hatte während ihrer Reise nach Israel die Möglichkeit, den leitenden Archäologen Dr. Michael Freikman (Hebräische Universität Jerusalem) zu sprechen, der viele Jahre Spuren einer Zivilisation erforschte und gefunden haben will.
      In einem interessanten, langen Gespräch, dass er trotz terminlicher Schwierigkeiten für uns einberäumte, erzählten auch wir von den Zusammenhängen unserer Recherche, die für ihn neu und interessant waren.

      P.S. (Die Tonnen-Angaben variieren, es gibt Angaben zwischen 37 und 42.000 Tonnen).

      Dr. Freikman über die Frage nach der Funktion der Anlage Gilgal Refaim (Rujim el Hiri)

      Es gibt verschiedene Vermutungen zu dem Zweck der Anlage. Die These, dass sie von Riesen erbaut wurde ist eine davon. Nach Riesen forschte Dr. Freikman nicht, aber nach Zivilisationsspuren, denn für Archäologen sind das die wichtigsten Spuren, um Schlussfolgerungen zu ziehen.

      Einige Ausgräber vermuten, dass der Cairn in der Mitte der Anlage später erbaut wurde als die Steinkreise um ihn herum und dass er später als Grabmal gedient haben soll, während die Kreise zu kultischen Zwecken errichtet worden seien. Freikman glaubt zwar nicht, dass die Steinkreise und der Cairn zu unterschiedlichen Zeiten entstanden sind, aber auch er interpretiert die Anlage als Grabmal für eine bedeutende Persönlichkeit seiner Zeit.
      Tatsache ist jedoch, dass keine Knochen im Zentrum der Anlage gefunden wurden und auch sonst kaum Gegenstände, die explizit auf die Anlage als ein kultisch-zeremonielles Zentrum hinweisen. Gefunden wurden einige Ohrringe und Pfeilspitzen. Überdies kann die vermeintliche Grabkammer nie und nimmer von Riesen genutzt worden sein, weil sie dafür viel zu klein ist. Selbst wir hatten Mühe, in das Innere der Anlage hineinzugelangen.
      Mizrachi, der die Anlage noch vor Freikman untersuchte, ließ die Schlussfolgerung zu, dass Gilgal Refaim ein astronomisches Observatorium gewesen sein könnte. Dafür konnte auch Freikman gute Hinweise liefern, indem er uns von Beobachtungen in der Anlage berichtete.
      Später mehr, oder gibt es gezielte Fragen?

      Weshalb zog es uns zu der Stätte Gilgal Refaim?

      Ich möchte zu Michael Freikman noch sagen, dass er sich sehr viel Mühe gegeben hat, uns von seinen Forschungen zu erzählen. Er spricht russisch und wir waren eine Gruppe von sechs, halb russisch und halb deutsch. Freikman sprach auf Russisch und wiederholte alles noch einmal auf Englisch, damit wir ihm gemeinsam folgen konnten. Er fragte, warum wir so ein großes Interesse an Gilgal Refaim zeigen und zugleich, ob wir nicht auch die Kreisanlage Goseck bei Dresden kennen. Wir nickten und erzählten, wie uns unser Forschungsweg über Koj Krylgan Kala in Asien nach Arkaim in den Südural schließlich nach Israel zu Gilgal Refaim geführt hatte. Wir hörten einander aufmerksam zu. Freikman horchte auf bei dem Namen Arkaim, denn diese Stätte war ihm als Archäologe ein Begriff. Koy Krylgan Kala war ihm kein Begriff, denn diese Stätte ist selbst unter Archäologen wenig bekannt. Eigentlich war diese Stätte in Usbekistan seit der Choresm-Expeditionen Tolstows beinahe wieder in Vergessenheit geraten. Wir konnten ihm anbieten, bei Interesse direkt mit Oktajabr Dospanov zu sprechen, unserem archäologischen Wüstenführer, ohne dessen Hilfe wir die asiatische Stätte wohl kaum gefunden hätten und zu dem wir Kontakt halten.

      Diese drei Stätten stehen gemäß unserer Analyse aufgrund ihrer Kreisform, ihrer Lage und ihrer "Runden Zahlen" miteinander in Korrespondenz. Koj Krylgan Kala war der Zünder, es folgte Arkaim und als dritte Stätte Gilgal Refaim.

      Könnte Gilgal Refaim als Observatorium und als Sternenkalender gedient haben?

      Bevor ich näher auf deine Frage eingehe, möchte ich zum Verständnis einige Worte vorweg zu dem sagen, was Professor Mizrachi und Aveni, die zusammen die Anlage untersuchten, herausfanden. In einem Fernseh-Interview vor einigen Jahren äußerte sich Mizrachi zu der Frage, wozu diese Stätte errichtet wurde: „Die Anlage ist etwa 5000 Jahre alt. Etwa zu dieser Zeit wurden auch die Pyramiden der ägyptischen Dynastie errichtet. Die Menschen, die diese Kreise bauten, nutzten sie als Kultstätte und um den richtigen Zeitpunkt zum Säen und Ernten zu bestimmen.“
      Vielleicht diente die Anlage den Bewohnern der Golan-Region also für astronomische Beobachtungen und als Kalender für die Landwirtschaft? Doch das scheint Mizrachi selbst in einer anderen Quelle infrage zu stellen.Warum sollten die Errichter des Monuments ein tonnenschweres, aufwendiges Bau-Projekt verwirklicht haben „in dem sie Tonnen von Steinen sammelten und sie sorgfältig hinlegten, um letztlich für immer dort zu liegen, wenn der gleiche Zweck auch durch die Nutzung eines Steins und Stocks erreicht werden könnte?“ (Vgl. sinngemäß Chamish, der als Buchautor über die Anlage recherchierte, jedoch selbst annimmt, dass sie von Riesen erbaut wurde.)
      Diese Frage ist sehr berechtigt und sie lässt deutlich werden, wie die wissenschaftlichen Vorstellungen sich selbst wiederlegen. Zumindest legen die Forschungen von Mizrachi und Aveni die Vermutung nahe, dass Gilgal Refaim als astronomisches Observatorium und als Sternenkalender gedient haben könnte.
      Später mehr darüber, welche konkreten Beobachtungen Mizrachi und Aveni in Gilgal Refaim machen konnten bzw. von den Beobachtungen, von denen uns Freikman in dieser Hinsicht berichtete, als er selbst die Anlage untersuchte.

      Stonehenge des Nahen Ostens

      Es existieren unterschiedliche Angaben, wieviele Steinkreise um das Zentrum verlaufen, man liest von 4 bis 5, doch konnten wir feststellen, dass noch ein 6. Kreis als Spirale angedeutet wird, der in den Cairn zu führen scheint.

      Auffällig sind in jedem Fall zwei Öffnungen (bzw. Eingänge) innerhalb der Steinringe, von denen die eine in nordöstliche und die andere in südöstliche Richtung zeigt. Mizrachi und Aveni entdeckten, dass vermutlich um 3000 v. Chr. vom Zentrum der Anlage aus die ersten Strahlen der Sommersonnenwende durch die nordöstliche Öffnung und zur gleichen Zeit durch die Öffnung im Südosten der Sirius gesehen werden konnte. Die Steinkreise der Anlage Gilgal Refaim werden nicht ohne Grund als Stonehenge des Nahen Osten bezeichnet. Es ist die einzige vergleichbare Anlage in diesem Gebiet.

      Freikman erzählte, dass beide Eingänge interessanterweise auf Berge ausgerichtet sind und man früher glaubte, dass Götter auf den Bergen lebten. An einem Tag saß er im Cairn und wunderte sich über die Ausrichtung eines Steins, als er die Sonne genau zwischen diesem und einem Nachbarstein aufgehen sah, etwa zur Zeit des Frühlingsäqinoktiums am 23. März. Diese beiden Steine kennzeichnen einen weiteren Durchgang oder ein Tor, wie er es nannte. Angeblich existieren 4 „Gates“, die eine bestimmte Ausrichtung haben. Doch führen uns diese Überlegungen sehr in astronomische Details, die sehr fachspezifisch sind (und vor allem in Englisch und Russisch geführt wurden).

      Für Freikman stehen die Spuren einer Zivilisation im Vordergrund und er denkt, dass dieser Platz vielleicht ein ritueller Platz gesesen sein könnte. Von den Spuren und archäologischen Ausgrabungen, die er entdecken konnte und die uns nicht bekannt waren, möchte ich noch berichten und auch, welche Merkmale für uns sehr bedeutend sind. Es sind Merkmale, denen wenig Beachtung zukommt, weil sie für zufällig oder ungenau gehalten werden und wiederum so spezifisch sind, dass ihre Zusammenhänge weder rein archäologisch noch astronomisch erfasst werden können. Diese Sicht, die in engem Zusammenhang mit alten und neuen heiligen Schriften des Planeten steht, war auch für Freiikman neu.